Wir Deutschen und die USA

Die USA haben einen neuen Präsidenten. Wird sich das deutsch-amerikanische Verhältnis unter Joe Biden erheblich verbessern? Welche Lehren können wir aus der gemeinsamen Geschichte ziehen?

Ein Aufatmen ging nach der Wahlentscheidung in den USA durch Deutschland. Die Hoffnung auf Tauwetter in den gegenseitigen Beziehungen keimt. Denn es war vor allem Bidens Vorgänger, Donald Trump, der das transatlantische Bündnis auf die Probe stellte.

Hoffnungen auf beiden Seiten

Joe Biden will das Verhältnis zu den europäischen Partnern wieder beruhigen. Doch wird es auch nach dieser Wende von US-Seite Erwartungen an Deutschland geben. Was erhoffen sich beide Seiten voneinander? Wie steht es um den Beitrag der Deutschen als militärischer Bündnispartner in der NATO? Und was wird aus der ökonomischen Schieflage zwischen deutschen Export-Erfolgen und US-Außenhandelsbilanz-Defiziten?

Schwankungen in den gegenseitigen Interessen und Erwartungen gab es immer wieder – das lehrt der Blick auf die wichtigsten Wegmarken gemeinsamer Geschichte: auf Marshallplan und Luftbrücke, als aus ehemaligen Gegnern Partner im Zeichen der Freiheit wurden, auf die Höhepunkte des Kalten Krieges, als die uneingeschränkte nukleare Sicherheitsgarantie der USA für Vertrauen sorgte. Aber auch auf die Zeit des Vietnamkrieges und der Nachrüstung, als Widerstand spürbar wurde.

Deutschland ist für Amerika im Laufe der Zeit zu einem erwachsenen Partner geworden. Also weg von der komplizierten Kind-Eltern-Beziehung zu einer wirklich gewachsenen, gestandenen, artikulierten Partnerschaft, die meiner Meinung immer mehr auf Augenhöhe stattfindet.
Cathryn Clüver Ashbrook, Politologin

Eine Reise in die Vergangenheit und ein Blick in die Zukunft

In der Zeit der Wiedervereinigung Deutschlands erwiesen sich die USA als wichtiger Türöffner zum großen Staatsziel. In den Antiterrorkriegen nach dem 11. September ging die Schere wieder auseinander, von uneingeschränkter Solidarität zur Ablehnung – etwa einer deutschen Beteiligung am Irakkrieg. Zwischen Obama-Romantik und Trump-Frustration schwankten die zurückliegenden Jahre. Wo werden sich die Stimmungen und Interessenlagen nun einpendeln?

Hochkarätige Experten und ehemalige Politiker, darunter die ehemaligen Außenminister Joschka Fischer und Sigmar Gabriel, blicken zurück – und nach vorne. Eine spannende Reise durch mehr als sieben Jahrzehnte gemeinsamer Geschichte und ein fundierter Ausblick auf die nahe Zukunft.

F.A.Q.

Reise in die Vergangenheit

Von Stefan Brauburger, Leiter der Redaktion Zeitgeschichte

Ein Aufatmen ging nach der Wahlentscheidung in den USA durch Deutschland. Und der erste Auftritt Joe Bidens hierzulande bei der Münchner Sicherheitskonferenz via Video-Schalte hatte ebenfalls etwas Erlösendes: “Amerika ist wieder da”. Die Hoffnung auf ein Tauwetter in der deutsch-amerikanischen Beziehung keimt, zumal es in den vergangenen Jahren vor allem der US-Präsident Donald Trump war, der als Hindernis für die Fortsetzung der bis dato gefestigten transatlantischen Partnerschaft galt.

Nun folgt auf den Polarisierer ein Mann des Ausgleichs: Joe Biden, der das Verhältnis zu den Verbündeten wieder beruhigen will. Doch das sollte nicht der Grund sein, sich wieder zurückzulehnen. Denn es wird auch nach der Wende in Washington von US-Seite Erwartungen an Deutschland geben, die unabhängig davon im Raum stehen, wer im Weißen Haus regiert. Wie steht es um den Beitrag Deutschlands als militärischer Verbündeter in der NATO, auch finanziell? Wie positioniert sich Berlin als Sicherheitspartner der USA gegenüber Russland und China? Und was wird aus der ökonomischen Schieflage zwischen deutschen Exporterfolgen und US-Außenhandelsbilanz-Defiziten? Schwankungen in der Geschichte gegenseitiger Interessen und Erwartungen gibt es seit 1945 – mal mehr, mal weniger.

Am Anfang stand der rasante Wandel von der Feindschaft im Zweiten Weltkrieg zur Partnerschaft im Kalten Krieg. “Es gibt in der Geschichte kein ähnliches Beispiel, wo ein Sieger so großzügig mit dem Besiegten umgegangen ist”, meint der Historiker Rolf Steiniger im Interview für unseren Film. Aber es war ein geteiltes Land, mit gespaltenen Gefühlen. So ergab sich für die Deutschen in Ost und West allein aufgrund ihrer Rolle in den gegensätzlichen Bündnissen stets ein ambivalentes Bild von den USA, wobei der fortschrittliche Nimbus der Supermacht aus dem Westen auch über die Blockgrenzen hinwegstrahlte. Nach der Kennedy-Euphorie trübte der Vietnam-Krieg das Bild der USA als moralische Weltinstanz. Auch das Wettrüsten der frühen 80er Jahre spaltete die Gemüter hierzulande. Die Wiedervereinigung in ihrer außenpolitischen Dimension war schließlich gerade auch der Unterstützung Washingtons zu verdanken. Die Zeit des Terrors nach 9/11 verband zunächst und spaltete schließlich. Beim Einmarsch in den Irak endete die Gefolgschaft, was Washington verstimmte.

Wie sehr die deutsche Sicht auf die USA vom jeweiligen Präsidenten abhängt, zeigte sich nie deutlicher als beim Wechsel von Bush Junior zu Obama und von diesem zu Trump. Mehr als Dreiviertel der Deutschen hatten eine gute Meinung vom ersten schwarzen Präsidenten im Weißen Haus, bei Trump waren es nur fünf Prozent. John F. Kennedy erreichte 1963 mit über 80 Prozent den höchsten Wert. George W. Bush hingegen sah nur einer von fünf Befragten in Deutschland positiv. Immer wieder färbten diese Werte auch auf das Gesamtbild der USA ab.

Die Sicht der US-Bürger auf Deutschland ist von größerer Kontinuität gekennzeichnet als umgekehrt. Die Historikerin Britta Waldschmidt-Nelson konstatiert dazu im Film: “Grundsätzlich werden die Deutschen laut Umfragen eigentlich immer sehr positiv gesehen, selbst in Zeiten, in denen es Proteste gegen die Politik der USA gab”. Der Journalist und Amerika-Kenner Christoph von Marschall berichtet: “Deutschland wird schon bewundert, gerade wegen des wirtschaftlichen Erfolgs. Generell haben die Deutschen einen guten Ruf in den USA, aber sie leben auch ein Stückweit auf der Insel der Seligen”. Ex-Vizekanzler Sigmar Gabriel nimmt darauf kritisch Bezug: “Bisher war das einfach: Wir haben uns immer raushalten können, weil da jemand war, nämlich die Vereinigten Staaten, die jedes Risiko eigegangen sind. Doch diese Zeiten sind vorbei”. Und Joschka Fischer, früherer Außenminister fügt hinzu: “Das wohlfeile Argument. Es gibt ein Problem, Washington übernehmen Sie! Das 1945
Kriegsende, Deutschland und Berlin werden jeweils in vier Besatzungszonen beziehungsweise Sektoren aufgeteilt. Auf der Potsdamer Konferenz zeigt die Anti-Hitler-Koalition erste Risse. Es folgen Maßnahmen zur Entnazifizierung, Demilitarisierung und Demokratisierung in Deutschland, die jedoch von den Siegermächten unterschiedlich verstanden und angewendet werden.

Nach den Jahren der durch die Nationalsozialisten verordneten “völkischen” Kultur sehnen sich immer mehr Deutsche nach Musik, Filmen und Literatur “aus dem Westen”, speziell den USA. Ein Trend, der sich ungebrochen über die Jahrzehnte fortsetzt.

1946
Beginn des “Kalten Krieges”. Die USA unterstützen in den folgenden Jahren den Aufbau des zerstörten West-Europas und der Westzonen Deutschlands finanziell (Marshallplan) und durch Hilfsmaßnahmen (unter anderem Care-Pakete).

1948
Die Sowjetunion reagiert auf die Währungsreform in den Westzonen und West-Berlin mit der Blockade der Westsektoren der Stadt. Die USA antworten mit der Luftbrücke zur Versorgung der mehr als zwei Millionen eingeschlossenen Menschen. Das weckt große Sympathien bei den Deutschen. Aus der “Besatzungsmacht USA” wird eine “Schutzmacht”.

1949
Gründung der Bundesrepublik, Gründung der DDR, Wahl Konrad Adenauers (CDU) zum ersten Bundeskanzler. Er verfolgt eine strikte Westbindung des neu errichteten Staates in politischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Hinsicht.

1950er Jahre
Das sogenannte “Wirtschaftswunder”: Die westdeutsche Wirtschaft boomt, auch wegen des Marshallplans, vor allem aber aufgrund der enormen Nachfrage und internationaler Exportmöglichkeiten.

1950 bis 53
Koreakrieg: Das kommunistische Nord-Korea versucht mit Hilfe seiner Verbündeten Sowjetunion und Volksrepublik China das westlich orientierte Südkorea zu überrennen. Eine internationale UN-Aktion unter Leitung der USA erwidert die Invasion erfolgreich. Die Option einer Wiederbewaffnung in Westdeutschland rückt immer mehr in den Vordergrund.

1953
Dwight D. Eisenhower wird US-Präsident; Bundeskanzler Adenauer besucht die USA und wird im Weißen Haus empfangen. Sein strikter politischer Kurs der Westbindung überzeugt den einst sehr deutschlandkritischen Ex-General des Zweiten Weltkriegs, Eisenhower.

1955
Dem NATO-Beitritt der Bundesrepublik folgt die Aufstellung und Gründung der Bundeswehr. Die Bundesrepublik gilt als “Frontstaat” an der Nahtstelle der Blöcke, zwischen der NATO und dem “Warschauer Pakt”. Westeuropa steht unter dem nuklearen Schutzschirm der USA.

1961
John F. Kennedy wird US-Präsident und genießt größte Sympathien bei den Deutschen. Der Bau der Berliner Mauer schreibt die deutsche Teilung fest und bestätigt die Auffassung, dass nur das Bündnis mit den USA die Bundesrepublik vor den Machtansprüchen der Sowjetunion schützen kann.

1962
Kuba-Krise: der sowjetische Versuch, Atom-Raketen auf Kuba zu stationieren, soll auch aus der Sicht Washingtons und der Adenauer-Regierung mit einer Politik der Stärke beantwortet werden. Für 13 Tage steht die Welt am Rande eines dritten Weltkrieges. Die Sowjetunion zieht gegen Zusicherungen der USA die Raketen ab. Es ist auch der Beginn eines Umdenkens, Risiken zu mindern und Entspannungspolitik zu ermöglichen, die Ende der 60er Jahre forciert wird.

1963
Der Besuch von Präsident Kennedy in West-Berlin wird zum Triumph. Sein Bekenntnis “Ich bin ein Berliner” wird begeistert aufgenommen. Nie schienen Deutsche und Amerikaner einander näher.

Nach dem Attentat auf John F. Kennedy folgt sein Vize-Präsident Lyndon B. Johnson. Zum verstärkten US-Engagement in Vietnam soll die Bundesrepublik beitragen, die das Lazarettschiff “Helgoland” schickt.

Zweite Hälfte 60er Jahre
Das Engagement der USA in Vietnam wird auch in der Bundesrepublik von der jüngeren Generation zunehmend kritisiert. Vom “Anti-Amerikanismus” ist die Rede, zugleich aber gilt der Protest in den USA (Woodstock) selbst als Vorbild. So richten sich die Zweifel an der Politik der USA nicht gegen die amerikanische Kultur.

1969
Richard Nixon wird US-Präsident: Der Rüstungswettlauf wird fortgesetzt, vom “Gleichgewicht des Schreckens” ist die Rede; gleichzeitig beginnt die Entspannungspolitik. Willy Brandt (SPD) wird Bundeskanzler und will neben der Westbindung mehr Öffnung nach Osten.

1979
Moskau unterstützt Stellvertreterkriege und rüstet auf, der Westen reagiert mit dem NATO-Doppelbeschluss: Dagegen protestieren in der Bundesrepublik allein in Bonn Hunderttausende. Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) verliert sein Amt durch ein konstruktives Misstrauensvotum, Helmut Kohl (CDU) wird Nachfolger und hält am NATO-Beschluss fest.

1981
Ronald Reagan wird US-Präsident und gilt in Teilen der westdeutschen Öffentlichkeit zunehmend als “Kalter Krieger”. Der US-Präsident will die Sowjetunion durch einen verschärften Rüstungswettlauf wirtschaftlich destabilisieren: “totrüsten”.

1985
Michael Gorbatschow kommt in der Sowjetunion an die Macht und versucht mit “Glasnost” und “Perestroika” einen Reformprozess einzuleiten, auf den auch Bonn und Washington reagieren.

1987
Einigung zwischen Ost und West über die Mittelstreckenraketen, der NATO-Doppelbeschluss erreicht sein Ziel: SS-20 (Ost) und Pershing 2 (West) werden wieder abgebaut. Im Juni 1987 hält US-Präsident Ronald Reagan seine berühmte Rede am Brandenburger Tor, in der er “Mr. Gorbatschow, tear down this wall” ausruft: “Herr Gorbatschow, reißen Sie diese Mauer ein.”

1989
George Bush Senior wird US-Präsident, Gorbatschow besucht Bonn, die Mauer fällt am 9. November.

1990
US-Präsident Bush unterstützt Kohls Politik zur “Deutschen Einheit” mehr als alle anderen westlichen Partner. Einzige Bedingung: Auch das vereinte Deutschland soll der NATO angehören.

1993
Bill Clinton wird Präsident.

1998
Gerhard Schröder (SPD) wird Kanzler einer rot-grünen Koalition, Vize-Kanzler Joschka Fischer (Bündnis 90/Die Grünen). Der Kosovo-Einsatz der Bundeswehr im darauffolgenden Jahr erfolgt an der Seite der USA.

2001
George Bush Junior wird Präsident. Nach den Anschlägen vom 11. September erklärt Bundeskanzler Schröder die “uneingeschränkte Solidarität” mit den USA

2002
Gerhard Schröder lehnt eine deutsche Unterstützung beim Einmarsch der USA in den Irak ab, was zu einer Abkühlung der politischen Beziehungen führt.

2005
Angela Merkel (CDU) wird Kanzlerin. Sie hatte als Oppositionsführerin gegenüber der Irak-Politik der USA weniger Distanz gezeigt als die Regierung und wird in Washington freundlich empfangen.

2009
Die Wahl des Demokraten Barack Obama zum 44. US-Präsidenten wird in Deutschland einhellig begrüßt.

2013
Im Sommer besucht US-Präsident Obama Berlin und zieht für seine Rede vor dem Brandenburger Tor sein Jackett aus – “unter Freunden könne man ungezwungener sein” – und wird dafür bejubelt. Die NSA-Affäre beginnt das Verhältnis zu überschatten, Angela Merkels Handy wurde “angezapft”, die Kanzlerin reagiert empört: “Abhören unter Freunden geht gar nicht!”

2017
Donald Trump wird US-Präsident. Er verweigert Bundeskanzlerin Merkel beim Antrittsbesuch in Washington den Handschlag. Das deutsch-amerikanische Verhältnis wird in den kommenden Jahren mit Forderungen konfrontiert und belastet, die dem Anspruch “America First” entsprechen. Die Beziehungen erreichen einen Tiefpunkt.

2021
Joe Biden, einst Vize-Präsident unter Barack Obama, wird US-Präsident. Schon aus den ersten Reaktionen und Ankündigungen der neuen Regierung wird deutlich, dass die USA einen Neustart der deutsch-amerikanischen und transatlantischen Beziehungen zu Europa wünschen, aber auch Bedingungen stellen.

1945
Kriegsende, Deutschland und Berlin werden jeweils in vier Besatzungszonen beziehungsweise Sektoren aufgeteilt. Auf der Potsdamer Konferenz zeigt die Anti-Hitler-Koalition erste Risse. Es folgen Maßnahmen zur Entnazifizierung, Demilitarisierung und Demokratisierung in Deutschland, die jedoch von den Siegermächten unterschiedlich verstanden und angewendet werden.

Nach den Jahren der durch die Nationalsozialisten verordneten “völkischen” Kultur sehnen sich immer mehr Deutsche nach Musik, Filmen und Literatur “aus dem Westen”, speziell den USA. Ein Trend, der sich ungebrochen über die Jahrzehnte fortsetzt.

1946
Beginn des “Kalten Krieges”. Die USA unterstützen in den folgenden Jahren den Aufbau des zerstörten West-Europas und der Westzonen Deutschlands finanziell (Marshallplan) und durch Hilfsmaßnahmen (unter anderem Care-Pakete).

1948
Die Sowjetunion reagiert auf die Währungsreform in den Westzonen und West-Berlin mit der Blockade der Westsektoren der Stadt. Die USA antworten mit der Luftbrücke zur Versorgung der mehr als zwei Millionen eingeschlossenen Menschen. Das weckt große Sympathien bei den Deutschen. Aus der “Besatzungsmacht USA” wird eine “Schutzmacht”.

1949
Gründung der Bundesrepublik, Gründung der DDR, Wahl Konrad Adenauers (CDU) zum ersten Bundeskanzler. Er verfolgt eine strikte Westbindung des neu errichteten Staates in politischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Hinsicht.

1950er Jahre
Das sogenannte “Wirtschaftswunder”: Die westdeutsche Wirtschaft boomt, auch wegen des Marshallplans, vor allem aber aufgrund der enormen Nachfrage und internationaler Exportmöglichkeiten.

1950 bis 53
Koreakrieg: Das kommunistische Nord-Korea versucht mit Hilfe seiner Verbündeten Sowjetunion und Volksrepublik China das westlich orientierte Südkorea zu überrennen. Eine internationale UN-Aktion unter Leitung der USA erwidert die Invasion erfolgreich. Die Option einer Wiederbewaffnung in Westdeutschland rückt immer mehr in den Vordergrund.

1953
Dwight D. Eisenhower wird US-Präsident; Bundeskanzler Adenauer besucht die USA und wird im Weißen Haus empfangen. Sein strikter politischer Kurs der Westbindung überzeugt den einst sehr deutschlandkritischen Ex-General des Zweiten Weltkriegs, Eisenhower.

1955
Dem NATO-Beitritt der Bundesrepublik folgt die Aufstellung und Gründung der Bundeswehr. Die Bundesrepublik gilt als “Frontstaat” an der Nahtstelle der Blöcke, zwischen der NATO und dem “Warschauer Pakt”. Westeuropa steht unter dem nuklearen Schutzschirm der USA.

1961
John F. Kennedy wird US-Präsident und genießt größte Sympathien bei den Deutschen. Der Bau der Berliner Mauer schreibt die deutsche Teilung fest und bestätigt die Auffassung, dass nur das Bündnis mit den USA die Bundesrepublik vor den Machtansprüchen der Sowjetunion schützen kann.

1962
Kuba-Krise: der sowjetische Versuch, Atom-Raketen auf Kuba zu stationieren, soll auch aus der Sicht Washingtons und der Adenauer-Regierung mit einer Politik der Stärke beantwortet werden. Für 13 Tage steht die Welt am Rande eines dritten Weltkrieges. Die Sowjetunion zieht gegen Zusicherungen der USA die Raketen ab. Es ist auch der Beginn eines Umdenkens, Risiken zu mindern und Entspannungspolitik zu ermöglichen, die Ende der 60er Jahre forciert wird.

1963
Der Besuch von Präsident Kennedy in West-Berlin wird zum Triumph. Sein Bekenntnis “Ich bin ein Berliner” wird begeistert aufgenommen. Nie schienen Deutsche und Amerikaner einander näher.

Nach dem Attentat auf John F. Kennedy folgt sein Vize-Präsident Lyndon B. Johnson. Zum verstärkten US-Engagement in Vietnam soll die Bundesrepublik beitragen, die das Lazarettschiff “Helgoland” schickt.

Zweite Hälfte 60er Jahre
Das Engagement der USA in Vietnam wird auch in der Bundesrepublik von der jüngeren Generation zunehmend kritisiert. Vom “Anti-Amerikanismus” ist die Rede, zugleich aber gilt der Protest in den USA (Woodstock) selbst als Vorbild. So richten sich die Zweifel an der Politik der USA nicht gegen die amerikanische Kultur.

1969
Richard Nixon wird US-Präsident: Der Rüstungswettlauf wird fortgesetzt, vom “Gleichgewicht des Schreckens” ist die Rede; gleichzeitig beginnt die Entspannungspolitik. Willy Brandt (SPD) wird Bundeskanzler und will neben der Westbindung mehr Öffnung nach Osten.

1979
Moskau unterstützt Stellvertreterkriege und rüstet auf, der Westen reagiert mit dem NATO-Doppelbeschluss: Dagegen protestieren in der Bundesrepublik allein in Bonn Hunderttausende. Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) verliert sein Amt durch ein konstruktives Misstrauensvotum, Helmut Kohl (CDU) wird Nachfolger und hält am NATO-Beschluss fest.

1981
Ronald Reagan wird US-Präsident und gilt in Teilen der westdeutschen Öffentlichkeit zunehmend als “Kalter Krieger”. Der US-Präsident will die Sowjetunion durch einen verschärften Rüstungswettlauf wirtschaftlich destabilisieren: “totrüsten”.

1985
Michael Gorbatschow kommt in der Sowjetunion an die Macht und versucht mit “Glasnost” und “Perestroika” einen Reformprozess einzuleiten, auf den auch Bonn und Washington reagieren.

1987
Einigung zwischen Ost und West über die Mittelstreckenraketen, der NATO-Doppelbeschluss erreicht sein Ziel: SS-20 (Ost) und Pershing 2 (West) werden wieder abgebaut. Im Juni 1987 hält US-Präsident Ronald Reagan seine berühmte Rede am Brandenburger Tor, in der er “Mr. Gorbatschow, tear down this wall” ausruft: “Herr Gorbatschow, reißen Sie diese Mauer ein.”

1989
George Bush Senior wird US-Präsident, Gorbatschow besucht Bonn, die Mauer fällt am 9. November.

1990
US-Präsident Bush unterstützt Kohls Politik zur “Deutschen Einheit” mehr als alle anderen westlichen Partner. Einzige Bedingung: Auch das vereinte Deutschland soll der NATO angehören.

1993
Bill Clinton wird Präsident.

1998
Gerhard Schröder (SPD) wird Kanzler einer rot-grünen Koalition, Vize-Kanzler Joschka Fischer (Bündnis 90/Die Grünen). Der Kosovo-Einsatz der Bundeswehr im darauffolgenden Jahr erfolgt an der Seite der USA.

2001
George Bush Junior wird Präsident. Nach den Anschlägen vom 11. September erklärt Bundeskanzler Schröder die “uneingeschränkte Solidarität” mit den USA

2002
Gerhard Schröder lehnt eine deutsche Unterstützung beim Einmarsch der USA in den Irak ab, was zu einer Abkühlung der politischen Beziehungen führt.

2005
Angela Merkel (CDU) wird Kanzlerin. Sie hatte als Oppositionsführerin gegenüber der Irak-Politik der USA weniger Distanz gezeigt als die Regierung und wird in Washington freundlich empfangen.

2009
Die Wahl des Demokraten Barack Obama zum 44. US-Präsidenten wird in Deutschland einhellig begrüßt.

2013
Im Sommer besucht US-Präsident Obama Berlin und zieht für seine Rede vor dem Brandenburger Tor sein Jackett aus – “unter Freunden könne man ungezwungener sein” – und wird dafür bejubelt. Die NSA-Affäre beginnt das Verhältnis zu überschatten, Angela Merkels Handy wurde “angezapft”, die Kanzlerin reagiert empört: “Abhören unter Freunden geht gar nicht!”

2017
Donald Trump wird US-Präsident. Er verweigert Bundeskanzlerin Merkel beim Antrittsbesuch in Washington den Handschlag. Das deutsch-amerikanische Verhältnis wird in den kommenden Jahren mit Forderungen konfrontiert und belastet, die dem Anspruch “America First” entsprechen. Die Beziehungen erreichen einen Tiefpunkt.

2021
Joe Biden, einst Vize-Präsident unter Barack Obama, wird US-Präsident. Schon aus den ersten Reaktionen und Ankündigungen der neuen Regierung wird deutlich, dass die USA einen Neustart der deutsch-amerikanischen und transatlantischen Beziehungen zu Europa wünschen, aber auch Bedingungen stellen.